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Eine Notiz von ***NAME***
In diesem Jahr feiert eine Vereinigung ihr 75-jähriges Bestehen, die ziemlich einmalig sein dürfte. Denn meines Wissens gibt es nur noch in einem Ort in Bayern eine ähnliche Frauenrotkreuzgruppe. Zwar wurde der Frauenverein des Roten Kreuzes im Herbst 1929 gegründet, doch seine Geburtsstunde schlug eigentlich schon 1915 im Ersten Weltkrieg, als sich eine große Anzahl von Mädchen und Frauen als Sanitätshelferinnen ausbilden ließen und im Reserve-Lazarett Gochsheim, untergebracht im Saal des Gasthauses „zur Post“, Krankenpflegedienst leisteten. Nach 1918 löste sich die lose Gruppierung wohl auf, aber die Saat des Samariterwerkes ging ein Jahrzehnt später wieder auf. Auf die Initiative des damals amtierenden ersten Bürgermeisters Träg und seiner Frau wurde der Frauenverein gegründet. Alles was Rang und Namen im Dorf hatte trat bei. Bald waren es mehr als 300 Mitglieder. Zur ersten Vorsitzenden wurde damals Else Hassfurter gewählt. Schriftführerin war Regina Büttner und Kassiererin Maria Fuchs.
In den dreißiger Jahren wurde der Verein „gleichgeschaltet“, verlor seine Eigenständigkeit, wirkte aber trotzdem im ursprünglichen Sinne weiter. 1937 ließen sich 16 junge Frauen als Samariterinnen ausbilden. Zwei von ihnen, Gretel Rudolph und Frieda Fuchs, waren dann auch im zweiten Weltkrieg im Kriegseinsatz als Rot-Kreuz-Schwestern tätig. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm der Verein seine Arbeit wieder in alter Weise auf. Else Hassfurter führte den Verein weiter. 1947 wurde von unserem Verein eine Schulspeisung durchgeführt, die in den schlechten Nachkriegszeiten sehr willkommen und gut für die Kinder war. Im selben Jahr wurde auch erstmals wieder nach dem Krieg zusammen mit den Kriegsversehrten eine Weihnachtsfeier durchgeführt. Herr Oberbürgermeister Schön aus Schweinfurt und einige Herren vom Kreisverband des Roten Kreuzes beschenkten 90 Kriegsversehrte. Von uns Frauen wurden alle mit Kaffee und Kuchen versorgt.
1948 konnte der Frauenverein durch hochherzige Spenden der Mitglieder an Weihnachten 70 alte und kranke Menschen betreuen. Seit dieser Zeit führen wir diese Einrichtung jedes Jahr durch nach dem Motto „Freude durch Freude machen“. 1951 wurde bei der Einweihung des Feuerwehrhauses durch Herrn Landrat Bernhard Schineller und Herrn Bürgermeister Panzer dem Frauen-Rotkreuz ein Raum zur Verfügung gestellt. Jetzt war die Möglichkeit gegeben, Erste-Hilfe-Kurse und Säuglingspflegekurse abzuhalten. Hier wurden auch einige Jahre Näh- und Flickkurse angeboten. Diese waren besonders beliebt, da in den Nachkriegsjahren bei schmalem Geldbeutel die Frauen noch viel selbst nähten und ausbesserten. In diesem Raum fanden auch medizinische Vorträge von Dr. Arnold und andere Veranstaltungen zum Wohle der Allgemeinheit statt.
Seit Bestehen des Vereins haben die Frauen immer zwei mal im Jahr Haussammlungen durchgeführt. Unentgeltlich, bei Wind und Wetter, waren und sind sie unterwegs zum Wohle der Arbeit des Roten Kreuzes.
Else Hassfurter legte 1966 aus Altersgründen den Vorsitz des Frauenrotkreuzes nieder und die Versammlung wählte die bereits seit 14 Jahren amtierende zweite Vorsitzende Frieda Mattenheimer an die Vereinsspitze. Frieda Mattenheimer lebte für den Rotkreuzfrauenverein und hat das Vereinsleben maßgebend durch ihre Lebensfreude, Herzlichkeit und Tatkraft geprägt. Sie war es auch, die 1976 die Senioren-Gymnastikgruppe ins Leben rief. Durch persönlichen Einsatz von Bürgermeister Karl Schöner stimmte schließlich der Gemeinderat zu, einen ehemaligen Schulsaal in der Grettstadter Str. für die Übungsstunden kostenlos zu überlassen. Diese segensreiche Einrichtung erfreut sich auch noch heute großer Beliebtheit und einige Frauen sind von der ersten Stunde an noch immer dabei.
Am 11. März 1982 bat Frau Mattenheimer um die Neuwahl einer Vorsitzenden, da sie dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht länger ausführen kann. Die Versammlung wählte Inge Altmann zur neuen Vorsitzenden. Sie leitete in den folgenden Jahren den Verein im Sinne ihrer Vorgängerinnen weiter. Blutspendetermine, Haussammlungen, Feiern in geselliger Runde, Tagesfahrten, Mehrtagesfahrten, Seniorensportgruppe, Seniorenbetreuung, Weihnachtsfeiern, Hilfe für Bedürftige Mitbürger. Eine breite Palette an Aktivitäten zeichnet den Frauenverein Gochsheim aus.
Diesen intakten Verein habe ich im Januar 1999 von Inge Altmann übernommen. Die Mitgliederversammlung hat mich dankenswerterweise zur Vorsitzenden gewählt, nachdem Inge aus familiären Gründen aus Gochsheim wegzog. Seit meiner frühen Jugend mit dem Roten Kreuz und seinen Grundsätzen der Nächstenliebe verbunden habe ich gerne ja gesagt und bemühe mich, im Sinne meiner Vorgängerinnen und nach dem Leitspruch unseres Gründers Henry Dunant „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ den Frauenverein des Roten Kreuzes zu führen.
Der Frauenverein des Roten Kreuzes hat in den Jahrzehnten seines Bestehens das Dorfleben von Gochsheim bereichert und mitgeprägt. Möge das auch in den noch folgenden Jahrzehnten so sein, das wünsche ich mir für uns.