Zusammenarbeit mit den Kommunen Gerolzhofen und Wasserlosen

Um die Bevölkerung im Landkreis Schweinfurt anzusprechen ist der BRK-Kreisverband Schweinfurt in Zusammenarbeit mit der Stadt Gerolzhofen und der Gemeinde Wasserlosen in deren Kommunen gegangen und hat sich mit Hilfe von Studenten der FHWS - mit freundlicher Unterstützung der beiden Kommunen und deren Bürgermeistern Thorsten Wozniak und Anton Gößmann - umgesehen.
So gingen zwei Teams von Studenten in die beiden sehr unterschiedlichen Kommunen: Gerolzhofen eine Stadt mit großer Infrastruktur (Krankenhaus, Einkaufsmärkte, Altenpflegeinrichtungen, Banken,..) und Wasserlosen eine Gemeinde mit 8 Dörfern und geringer Infrastruktur.
Gerade die Unterschiedlichkeit war die spannende Frage, wie anfällig die Bevölkerung bei einem Blackout wäre.

Zusammenarbeit mit der ÜZ - Mainfranken

Die ÜZ (Überlandzentrale) Mainfranken in Lülsfeld war seit Anbeginn des Projektes Partner des BRK. Das Thema Stromsicherheit ist ein wichtiges Thema der ÜZ. Aufgrund der vielen Stromproduzenten mit den bekannten alternativen Energiefomen, wie Photovoltaik, Biogas oder Windkraft, liefert die ÜZ in der Summe mehr Strom in das deutsche Stromnetz als die Verbraucher benötigen. Da aber Nachs keine Sonne scheint und der Wind auch nicht immer gleichmäßig bläst, gibt es Spitzenzeiten, in denen auch Strom aus dem Netz benötigt wird.
Dadurch wird deutlich, dass das Stromnetz ein Verbundnetz ist, bei dem alles zusammen hängt. Sollte ein Netzpartner ausfallen, müssen die anderen die Defizite und Überkapazitäten versuchen auszugleichen.
Mit Dipl. Ing. (FH) Jürgen Kriegbaum, Bereichsleter Netzservice der Unterfränkischen Überlandzntrale eG hatten wir einen hochkompetenten Berater und Partner in der Entwicklung des Projektes an der Seite.
Zusammenarbeit mit der FHWS Institut für Rettungswissenschaften, Notfall- & Katastrophenmanagement

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bradl von der FHWS mit seinem Institut für Rettungswesen, Notfall & Katastrophenmanagement konnte ein Partner gewonnen werden, mit dem wir vor Ort in den beiden Kommunen Gerolzhofen und Wasserlosen den Ist-Stand erheben konnten.
So gingen zwei Teams von Studenten in die beiden sehr unterschiedlichen Kommunen: Gerolzhofen eine Stadt mit großer Infrastruktur (Krankenhaus, Einkaufsmärkte, Altenpflegeinrichtungen, Banken,..) und Wasserlosen eine Gemeinde mit 8 Dörfern und geringer Infrastruktur.
Fragebogen
Mittels eines Fragebogens wurde die Bevölkerung befragt:
- Sind Ihnen in der Vergangenheit bereits Schäden in Folge vom Stromausfällen entstanden?
- Die nachfolgenden Vorräte in Ihrem Haushalt reichen für Sie und die anderen Haushaltsmitglieder …Tage?
- Wie häufig überprüfen Sie ihre Vorräte u. Notfallausrüstun?
- Gibt es bei Ihnen Haushaltsmitglieder die auf die Verwendung wichtiger medizinischer Geräte angewiesen sind?
- Sind sie in diesem Fall eines mehrtägigen flächendeckenen Stromausfall auf Hilfe anderer angewiesen?
- Die folgende Hilfeleistungen erwarte ich von Behörden u. staatlichen Stellen im Fall eines mehrtägigen flächedeckenden Stromausfalls...
persönliche Befragung in Infrastruktureinrichtungen
Die Studenten gingen auch in Einkaufsmärkte und Altenheime, befragten Versorgungsunternehmen und kommunale Einrichtungen. Sie bekamen viele interessante Antworten.
Projekt VR
Eine wetere Gruppe von Studenten erhielt folgenden Auftrag:
Erstellung einer VR-Umgebung zur Sensibilisierung unterschiedlicher Zielgruppen zu Folgen und persönlicher Betroffenheit bei einem Stromausfall mit dem Ziel eine Resilienzsteigerung zu erreichen.
Im Rahmen des Semesterprojektes sollten die Nutzungsgewohnheiten energieabhängiger Infrastruktur und Gerätschaften unterschiedlicher Zielgruppen identifiziert und die Auswirkungen bei einem Stromausfall über
längere Zeit (Blackout) in einer Virtual Reality (VR) erlebbar gemacht werden.
Mithilfe von 360 Grad Fotos wurden typische Räume aus einem häuslichen Umfeld abgebildet und die Auswirkungen eines Stromausfalls mithilfe von Geräuschen und Tönen in diesem Umfeld erlebbar gemacht. Das Ziel des Projektes war es, in Kooperation mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Kreisverband Schweinfurt, eine Simulation zu erstellen, die die Menschen hinsichtlich dieses Themas sensibilisiert sowie im besten Fall eine Verhaltensänderung anstößt. Im Herbst 2019 wird die Simulation im Rahmen einer Wandermesse bzw. Aufklärungskampagne in Schweinfurt durchgeführt werden.
Der Bevölkerung sind die Gefahren eines Blackouts weitestgehend unbekannt. Da die Gefahr eines Blackouts aber auch heute allgegenwärtig ist, soll die Bevölkerung stärker für dieses Thema sensibilisiert werden.
Besonders das richtige Verhalten während eines Blackouts und die richtigen Vorbereitungen müssen den Menschen nähergebracht werden. Erfahrungen aus der virtuellen Realität könnten genutzt werden, um eine gesteigerte Sensibilisierung zu erreichen und einen Reflektionsprozess bei den Menschen anzuregen.
Diese VR-Umgebung soll Teil der Wanderausstellung werden.
Kontexte von Pflege- und Hilfsbedürftigen stärken

Die Zahl der pflege- und hilfsbedürftigen Menschen in unserer Gesellschaft nimmt bedingt durch die demographische Entwicklung stetig zu. Viele dieser Menschen werden von Angehörigen oder ambulanten Pflegekräften im heimischen Umfeld versorgt.
In Extremwetterlagen oder anderen Katastrophenlagen besteht die Heraus-forderung, diese Menschen zu versorgen, wenn beispielsweise Pflegekräfte sie nicht mehr erreichen können. In derartigen Situationen stellt sich die Frage, welche Personen in der Umgebung Hilfe benötigen und wer die Versorgung der betroffenen Menschen unterstützen kann kann.
Im Projekt KOPHIS sollen daher Unterstützungsnetzwerke aus Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, Pflegeeinrichtungen, Angehörigen und aktiven zivilgesellschaftlichen Akteuren aufgebaut und gestärkt werden. Hierzu werden die Bedürfnisse der betroffenen bzw. betreuenden Personen ermittelt und Unterstützungskonzepte sowie Informationsmaterialien erarbeitet.
Das Forschungsprojekt KOPHIS zielt darauf ab, pflege- und hilfsbedürftige Menschen in Privathaushalten für alle katastrophenrelevanten Phasen zu stärken. Die diversen Bedarfe dieser heterogenen Bevölkerungsgruppe sind im Kontext von Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz bisher kaum strukturiert beachtet worden. Das Projekt KOPHIS rückt diese Gruppe daher in den Mittelpunkt und strebt eine engere Vernetzung von bislang separat voneinander existierenden Bereichen des Bevölkerungsschutzes an. Mit dieser Verzahnung und der Einbeziehung der jeweiligen sozialen Kontexte der Betroffenen beschreitet KOPHIS neue Wege im Bevölkerungsschutz. Denn für die Stärkung der Resilienz gilt auch mit Blick auf die Gruppe der Menschen mit Pflege- und Hilfsbedarf der Grundsatz: „In Krisen Köpfe kennen.
Wintersturm

Bislang ist nicht systematisch erforscht, welche konkreten Unterstützungsbedarfe und -potentiale in Bezug auf hilfs-und pflegebedürftige Menschen in Krisensituationen vorhanden sind. Damit fehlt es an Grundlagenwissen, um die Verletzlichkeit (im Folgenden Vulnerabilität) dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe adäquat bewerten und Maßnahmen zur Vulnerabilitätsreduktion ergreifen zu können. Dieses Desiderat adressiert das BMBF-geförderte Forschungsprojekt KOPHIS »Kontexte von Pflege-und Hilfsbedürftigen stärken«. Ziel des Vorhabens ist es, die Vulnerabilität von hilfs-und pflegebedürftigen Menschen aus einer praxissoziologisch geprägten Untersuchungsperspektive, konkretisiert am Beispiel eines Wintersturmszenarios, differenziert zu bewerten. Dazu führte die Katastrophenforschungsstelle (KFS) unter anderem eine deutschlandweite Befragung (n =2.018) durch.
Die Katastrophenforschungsstelle (KFS) der Freien Universität Berlin verfolgte im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „KOPHIS -Kontexte von Pflege-und Hilfsbedürftigen stärken“ das Hauptziel, ein Szenarien basiertes Verständnis der Unterstützungsbedarfe und Resilienzpotentiale Hilfs-und Pflegebedürftiger in ihren sozialen Bezügen zu erarbeiten.
Modellszenario „Wintersturm mit Stromausfall“
Im Projekt KOPHIS sollte erarbeitet werden, wie Menschen und insbesondere Hilfs-und Pflegebedürftige mit Extremsituationen umgehen und diese bewältigen. Um diese Aspekte zu erheben, wurde den Befragten eine Version des im Projekt KOPHIS fokussierten Modellszenarios „Wintersturm mit Stromausfall“ beschrieben. Die Befragten sollten sich diese Situation vorstellen und verschiedene Fragen z.B. zur Bewertung des Szenarios, zu ihrem Verhalten und ihren Bedarfen in dem Szenario allgemein und im Falle einer Evakuierung sowie zur Vorsorge beantworten.
Es ist ein Dienstagmorgen Ende Februar. Die Temperaturen liegen deutlich unter null und es schneit seit mehreren Tagen. Dadurch sind die Straßen zugeschneit und die Zufahrtswege zu Ihrer Nachbarschaft sind nicht passierbar. Gegen 10:00 Uhr morgens bricht die Stromversorgung zusammen.
Zusammenfassung der Ergebnisse zur Bewertung des Modellszenarios:
- Ca. 3 von 10 Befragte halten das beschriebene Szenario für sehr oder eher wahrscheinlich.
- Ca. 4 von 10 Befragte bewerten das Szenario als sehr oder eher bedrohlich. Bei den Hilfs-und Pflegebedürftigen liegt dieser Anteil bei 54%.
- Für ca. 4 von 10 Befragte wäre die Situation sehr oder eher schwierig. Bei den Hilfs-und Pflegebedürftigen traf das auf 55 % zu.
- Für ca. 6 von 10 Befragte wäre die Situation nach 24 Stunden oder früher problematisch. Dieser Anteil lag bei den Hilfs-und Pflegebedürftigen bei 74%, darunter hätten 32% nach 4 Stunden oder früher.-
- Ca. 8 von 10 Befragte glauben mit der beschriebenen Situation zurechtzukommen. Bei den Hilfs-und Pflegebedürftigen war dieser Anteil wesentlich geringer.




